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Auszug aus der Jubiläumszeitschrift zur 175 Jahrfeier im Jahre 1994 Basel, eine Stadt der Turner und Turnerinnen - von ihrem Boden aus sind immer wieder kräftige und erfolgreiche Impulse ausgegangen! Diese Feststellung hat Tradition, und der Bürgerturnverein Basel hat als einer der ältesten Turnvereine der Schweiz im besten Sinn des Begriffes Pionierarbeit geleistet. Keine leichte Aufgabe, denn die Turnbewegung sah sich In ihrer Frühzeit heftiger Kritik nicht bloss der "Ewig-Gestrigen" ausgesetzt. Fitness bot noch keinerlei Zugkraft; Kameradschaft und Geselligkeit im Rahmen körperlicher Ertüchtigung Im offenen Wettstreit waren kaum gefragt. Diese Werte in den Sympathiebereich des Volkes zu rücken, gehörte zum Idealismus der Gründerzeit - seine Verwirklichung Ist dem Weitbilck und der Tatkraft der Gründer zu verdanken. Körperliche Betätigung zählt zwar zu den Grundbedürfnissen des Menschen Als der Bürgerturnverein Basel im Jahre 1819 aus der Taufe gehoben, wurde, fand das Turnen zunächst kaum Anhängerschaft. Der Schweizer zu dieser Zeit war zumindest Landwirt, Handwerker und Gewerbetreibender oder Arbeiter mit sehr knapp bemessener Freizeit. Sie alle arbeiteten in Tat und Wahrheit "im Schweisse ihres Angesichts". Man lebte In der Regel zweidimensional mit Arbeit und Schlaf. Von Freizeit als dritter Lebensdimension war nicht die Rede, von Freizeitgesellschaft schon gar nicht. Verständlich also, dass die kleine Schar von Turnern der Gründungszeit fast ausschliesslich dem elitären Stand der Akademiker entstammte. Sie waren es denn auch, die dem Turnen seine Organisation vermittelten und die Zielsetzung wiesen. Mit Dankbarkeit erinnern wir uns deshalb heute an Vorausdenker unserer Stadt, beispielsweise an Jakob Burckhardt und Andreas Heusler, die in Verbindung mit anderen fortschrittlichen Geistern ihre Ideale In breite Kreise zu tragen wussten. Die Aufbauarbeit forderte eine konkrete Planung und vor allem Zeit, denn einschlägige Literatur und Ausbildungsprogramme waren kaum verfügbar. Erst im Jahre 1824 fand das Erstlingswerk des deutschen Turnvaters Jahn mit dem anspruchsvollen Titel "Turnkunst" eine bescheidene, aber interessierte Leserschar. Noch aber hielt sich die turnerische Ausbildung in engen Grenzen, vorgezeichnet durch antiquiert anmutende Geräte, wie wir sie Im Schweizerischen Turn- und Sportmuseum bewundern durften. Freiübungen als Element des Sektionsturnens lagen noch in weiter, ungewisser Ferne. Selbst auf diesem kargen Boden entwickelte sich der Bürgerturnverein Basel, wenn auch gemächlich und unterbrochen von gelegentlichen Rückschlägen, in erfreulicher Weise. Im Jahre 1821 zählte er 21 Mitglieder; 1848 waren es 39 Mitglieder und 70 Mitturner. Turnen bedeutete auch in zunehmendem Masse Geselligkeit; dieser erweiterten und zugleich vertieften Zielsetzung dienten die Turnfeste als Ausdruck von Daseinsfreude und menschlicher Kontaktbereitschaft. Diese Wettkampfmässig und periodisch durchgeführten Anlässe förderten auch die Beziehungen zum Dachverband, dem Eidgenössischen Turnverein. Das Turnen in der "guten alten Zeit" war vorwiegend auf Geräte und das Nationalturnen ausgerichtet. Erst nach 1900 gewann die Leichtathletik, ursprünglich als "volkstümliches Turnen" qualifiziert, mehr und mehr an Bedeutung. Im Jahre 1907 schufen die Basler Turnpioniere August Frei und Robert Flatt einen Lehrgang In der Disziplin Leichtathletik und fünf Jahre später wurde die Leichtathletik in das Programm des Eidgenössischen Turnfestes in Basel aufgenommen. Schon zu dieser Zeit massen sich über 700 Leichtathleten im friedlichen Wettkampf. Eine deutliche, wohl auch fruchtbare Rivalität zwischen Kunstturnen und Leichtathletik beherrschte die damalige Szene, doch mit der Zeit fand sich der Weg zu einer erspriesslichen Verbindung und Zusammenarbeit bei gegenseitiger Akzeptanz nach partnerschaftlicher Manier.
Der Bürgerturnverein Basel war gut beraten, als er sich frühzeitig um die Förderung desJugendturnens kümmerte, nachdem bereits Inder Frühzeit der Turnbewegung die Gemeinnützige Gesellschaft das Knabenturnen pflegte und damit die Ausgangsbasis für Jugendriegen und eigentliche Knabenturnvereine schuf. Gleichzeitig gliederten sich die meisten Turnvereine Jugendriegen an. Auch in diesem Bereich erbrachte der Bürgerturnverein Basel Pionierarbeit, gründete er doch bereits 1902 eine Jugendsektion. Parallel zur turnerischen Jugendbewegung lief der militärische Vorunterricht. Keine neue Idee übrigens, denn schon die Alte Eidgenossenschaft betrieb die körperliche Ertüchtigung des Nachwuchses - dieser zielstrebig betriebenen Ausbildung Ist der Ruf der Eidgenossenschaft als verlässlichstes Soldatenvolk zuzuschreiben.
Neueren Datums ist indessen das Frauenturnen In guter Partnerschaft zum hergebrachten Männerturnen, begünstigt durch die gleichlaufende Beteiligung der Frauen In Beruf, Politik und Gesellschaft. Die Turnerinnen nehmen auch im Bürgerturnverein Basel heute einen beachtlichen Platz ein. Gesamtschweizerisch betrachtet registriert heute der Schweizerische Turnverband rund 2500 Turnerinnen-Vereine und Riegen - die Zahl hat sich Im Verlaufe der letzten 30 Jahre ungefähr verdoppelt. Der Bürgerturnverein Basel darf mit Genugtuung und berechtigtem Stolz auf die 175 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Bedeutsame Erfolge im turnerischen Wettkampf lassen sich zu allen Zeiten nachweisen. Schwerer wiegt aber der Verdienst, zur körperlichen Ertüchtigung und gesundheitlichen Förderung, zur Fairness und guten Kameradschaft, zur Geselligkeit und Lebensfreude stets einen gehaltvollen Beitrag geleistet zu haben. Turnen bedeutet vor allem Pflege der körperlichen Fitness, ist aber auch sinnvoller Ausdruck eines gesunden Lebensgefühls und unbeirrbaren Fortschrittglaubens. Diese Werte gewinnen In fortschreitendem Mass an Bedeutung in unserer Gegenwart, die von einer unablässig zunehmenden Technisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse geprägt ist. Diese keineswegs unbedenkliche Entwicklung fordert in imperativer Weise eine Ergänzung durch angemessene körperliche Betätigung, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die bewegungsfeindliche Motorisierung. ,,Wer rastet, rostet - dieser Mahnspruch ist als aktueller Appell zu begreifen, unserem Körper die naturnotwendige Bewegung in möglichst vielseitiger und anregender Form zu verschaffen. In der aufgeschlossen-menschlichen Gemeinschaft eines Turnvereine lässt sich diese Zielsetzung in idealer Weise in den Alltag einbringenl In diesem Sinn und getreu den bewährten Grundsätzen turnerischer Tradition hofft der Bürgerturnverein Basel auf eine gedeihliche Entwicklung für das letzte Achtel bis zum Erreichen des Marksteins seines 200-jährigen Bestehens. Er dankt den Vielen, die ihm zu allen Zeiten ihre Sympathie und Förderung bezeugt haben.
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